Doepfer Modularsystem A-100 (erschienen: ab 1995)




Ich gehöre nicht nur bei Synthesizern, sondern überhaupt zur „Spieler-“ und nicht zur „Techniker-Fraktion“. D. h. mich interessiert die intuitive Spielbarkeit eines Instruments und das Anregenlassen durch Klänge. Welche technischen und akustischen Voraussetzungen diese Klänge haben, finde ich sekundär.

Allerdings stimmt das nicht mehr ganz. Denn ich habe feststellen müssen, dass diese Einstellung bei elektronischen Instrumenten nicht funktioniert. Um z. B. bei Synthesizern zu den tollen Klängen abseits von Presets (Voreinstellungen) zu kommen, ist es dringend nötig, auch ein wenig in die technische Materie einzusteigen. Für mich war das am Anfang eine Überwindung. Erst mit einem analogen Modularsystem schaffte ich hier tatsächlich den Einstieg. Denn dadurch dass man hier selbst die einzelnen Bestandteile (Module) verdrahten muss, um Klänge herauszubekommen, erfährt man am besten, welcher Klang durch welches Modul und durch welche Einstellung entsteht. Das brachte mir neben satten Sounds vor allem viele Aha-Erlebnisse, was bei einem digitalen Synthesizer mit vielen Presets nicht gegeben ist. Denn dort verändert man beim Programmieren meist nur die bestehenden Presets. Man geht also nicht von der Grunderzeugung der Klänge aus und schafft nicht von "0" weg ohne Voraussetzungen neue Klänge. D. h. auch ohne zu wissen, wie der Synthie funktioniert, kann man mit einem digitalen Preset-Synthesizer intuitiv Ergebnisse erzielen. Das funktioniert bei Modularsystemen nicht. Hier muss man sich mit der Technik befassen. Wenn man das nicht tut, scheitert man z. B. wie die Rolling Stones anno 1968/69 mit ihrem Modularsystem. Aber dadurch lernt man tatsächlich etwas über das Instrument und kommt ihm näher. Diese Art von Näherkommen ist bei digitalen Synthesizern oft zusätzlich erschwert, weil sie keine Echtzeitregler besitzen. Darum - das gilt vor allem für Geräte der 80er Jahre - verliert man schnell die Lust, sich in sie besser einzuarbeiten. So ist es jedenfalls mir gegangen.

Das ist bei einem Modularsystem wie dem analogen (subtraktiven) Doepfersystem anders, noch dazu wenn man sich auf die Grundbestandteile VCO (Voltage Controlled Oscillator), VCA (Voltage Controlled Amplifier), VCF (Voltage Controlled Filter), Envelope Generator und LFO (Low Frequence Oscillator) beschränkt. Hier begreift man viel schneller den Audio- und den Modulationsregelkreis und kann alles in Echtzeit regeln. So erfährt man sehr sinnlich, dass bei der subtraktiven Klangerzeugung zuerst mit einem Oscillator (VCO) eine obertonreiche Wellenform, z. B. eine Sägezahnwelle, erzeugt wird. Diese wird dann durch ein VCF gefiltert und durch ein VCA verstärkt. Der Envelope Generator ist in der Klangerzeugung für die Beeinflussung des Anschlags mit Nachklang etc. zuständig. Er kann aber auch das Filter im Modulationsregelkreis beeinflussen. Zum Modulationsregelkreis gehört schließlich auch der LFO, der für Vibratos, Tremolos etc. zuständig ist.

Damit aber genug der Technik! Was mich an meinem kleinen modularen System nämlich ebenso fasziniert, ist, dass man so historisch gesehen, die Art von Synthesizer hat, die von Robert Moog in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts das erste Mal kommerziell angeboten wurde. Man begibt sich so also zurück zu den Ursprüngen. Das bedeutet auch: Man spielt hier einen monophonen Synthesizer, bei dem man gleichzeitig nur einen Ton spielen kann.

Darüber hinaus kann man sich speziell beim Doepfersystem zur Steuerung z. B. ein Theremin-Modul anschaffen, so dass man sogar noch einen Übergang zu einem elektronischen Instrument aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts hat. Mit ihm kann man nämlich anstatt mit den Fingern auf einer Tastatur mit Handbewegungen in Bezug zu einer Antenne den Klang steuern, was folgendermaßen aussieht





und folgendermaßen klingt:
Doepfer A-100 Theremin.

PS: Wen ein historischer Überblick über (meine) Synthesizer interessiert, der lese diesen Blogeintrag.